Psoriasis – Nicht nur ein Hautproblem

Rötungen, verdickte Haut und silbrige Schuppenkrusten sind die typischen Zeichen einer Schuppenflechte, hervorgerufen durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Doch nicht nur aufgrund der Hautveränderungen stellt die Schuppenflechte ein ernsthaftes gesundheitliches Problem dar: Mehrere Begleiterkrankungen, darunter Depressionen, Psoriasis-Arthritis und metabolisches Syndrom, können die Lebensqualität einschränken und die Lebenserwartung verkürzen. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass Betroffene die Risiken kennen und ärztlich umfassend betreut werden.

Eine Überreaktion des Immunsystems verursacht Hautveränderungen

© 2020 Corinna Mühlenbein – Alle Rechte vorbehalten

Die Schuppenflechte – auch Psoriasis genannt – betrifft etwa zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland. In vielen Fällen ist die entzündliche Hauterkrankung “in der Familie”, das heißt, es besteht eine genetische Veranlagung dafür. Schuppenflechte ist chronisch. Auch wenn sie gut behandelbar ist, heilt sie nicht endgültig ab, sondern begleitet Betroffene ein Leben lang. Meist entwickeln sich Hautveränderungen schubförmig, ausgelöst beispielsweise durch Infekte, Streß, Alkohol oder Medikamente*. Die Ursache ist eine Überreaktion des Immunsystems. Normalerweise dient dieses System dem Schutz des Körpers und der Abwehr von Angreifern, zum Beispiel von Bakterien oder Viren. Bei der Schuppenflechte befindet es sich in erhöhter Alarmbereitschaft. Auch ohne Angreifer versammeln sich Abwehrzellen in der Haut und produzieren hohe Mengen entzündungsfördernder Botenstoffe, was sich in Rötungen, verdickter Haut und übermäßiger Schuppenbildung zeigt. (Mehr dazu erfährst Du in meinem vorherigen Beitrag.)

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Bei der Psoriasis vulgaris, der häufigsten Form der Schuppenflechte, sind die Hautveränderungen typischerweise an Ellbogen- und Knie-Außenseiten, an der Kopfhaut, in der Po-Falte, am Bauchnabel und/oder im unteren Rückenbereich. Auch Hände und Füße sind gelegentlich befallen. Die Plaques können kleine Areale betreffen oder großflächig miteinander verschmelzen, in schweren Fällen rötet sich die komplette Haut. Bei anderen Formen der Schuppenflechte variiert das klinische Bild, eine kurze Übersicht darüber findest Du weiter unten.*

Schuppenflechte ist mit anderen Erkrankungen assoziiert

Schuppenflechte ist nur ein Hautproblem. Die chronische Entzündungsreaktion im Körper betrifft auch andere Organe und bringt weitere Erkrankungen mit sich. Mehr als zwei Drittel aller Patienten mit Schuppenflechte haben mindestens eine Begleiterkrankung. Zu diesen zählen:

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Menschen mit Schuppenflechte haben häufiger Depressionen

Depressionen und Angststörungen finden sich häufiger bei Menschen mit Schuppenflechte als in der übrigen Bevölkerung. Hier spielt mit rein, dass zum einen das Wohlbefinden und die Lebensqualität aufgrund der Entzündungen in der Haut sowie aufgrund eventueller Begleiterkrankungen leiden. Manche Patienten fühlen sich wegen der sichtbaren Hautveränderungen ausgegrenzt. Zum anderen bringen Experten auch die erhöhten Entzündungsbotenstoffe mit Depressionen in Zusammenhang*. Studien zeigen, dass sich mit abnehmender Krankheitsschwere durch eine Behandlung oft auch das seelische Wohlbefinden bessert.

Eine Psoriasis-Arthritis kann Gelenke zerstören

Die bekannteste Begleiterkrankung ist die Psoriasis-Arthritis. Etwa ein Drittel aller Psoriasis-Patienten leidet an der chronischen Entzündung, die mit Umbauvorgängen an Gelenken einhergeht. Die Anzeichen hierfür können unterschiedlich sein, im Vordergrund stehen Schmerzen, Gelenkschwellungen, Morgensteifigkeit oder Bewegungseinschränkungen.

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In einem Viertel der Fälle führt die Arthritis zu eine Zerstörung und Verformung der Gelenke, wodurch Behinderungen entstehen können. Häufig sind Kniegelenke betroffen, danach Finger-, Zehen- und Sprunggelenke, seltener die Wirbelsäule. Meistens gehen Hautveränderungen den Gelenkentzündungen voraus. Um zu verhindern, dass Gelenke langfristig Schaden nehmen, ist eine systemische Therapie mit Tabletten oder Spritzen erforderlich, selbst wenn der Hautbefall gering ist.

Schuppenflechte und metabolisches Syndrom gehen oft zusammen

Bei Diabetes sind die Zuckerwerte im Blut zu hoch, bei Hyperlipidämie die Fette. Adipositas bedeutet Übergewicht und von Hypertonus spricht man, wenn der Blutdruck erhöht ist. Liegen mindestens drei dieser Erkrankungen gleichzeitig vor, bezeichnet man das als metabolisches Syndrom.

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Das metabolische Syndrom erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Patienten mit Schuppenflechte haben ein erhöhtes Risiko für ein metabolisches Syndrom und dadurch wiederum ein erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte*. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass ihre Lebenserwartung um vier bis sieben Jahre verkürzt ist. Doch wie hängt das zusammen?

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Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht und erhöhte Fettwerte im Blut führen zu Ablagerungen an den Innenwänden von Blutgefäßen. Nikotin treibt diesen Prozeß zusätzlich voran (Studien zeigen, dass Psoriatiker häufig Raucher sind!), ebenso wie die chronische Entzündungsreaktion der Schuppenflechte. Die Gefäßwand wird starr und die Öffnung enger. Man nennt das Atherosklerose.

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Das kann so weit gehen, dass sich Gefäße komplett zusetzen und kein Blut mehr hindurch fließen kann. Dabei ist Blut ist für die Versorgung von Organen essentiell, denn es liefert Energie und Sauerstoff. Ist die Blutzufuhr gestoppt, geht das dahinter liegende Gewebe zugrunde.

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Unser Herz pumpt ständig Blut durch unseren Körper und sorgt so für eine kontinuierliche Blutversorgung aller Organe. Auch das Herz selbst braucht Blut, dafür hat es eigene Gefäße, die sogenannten Herzkranzgefäße. Sind ein oder mehrere Herzkranzgefäße von Atherosklerose betroffen, bleibt das nicht ohne Folgen:

  • Eine Verengung führt zur koronaren Herzkrankheit, der sogenannten Angina pectoris. Bei körperlicher oder psychischer Belastung setzen Schmerzen im Brustbereich oder Engegefühl ein. Bei ausgeprägter Gefäßverengung treten die Symptome auch ohne Belastung auf.
  • Ein kompletter Verschluß bewirkt einen Herzinfarkt. Dieser ist akut lebensbedrohlich!

Ähnlich verheerend sind Gefäßverschlüße im Gehirn, denn dann kommt es zu einem Schlaganfall.

Aufklärung und ärztliche Anbindung sind wichtig

Aufgrund des gesundheitlichen Risikos ist es wichtig, dass Betroffene über Begleiterkrankungen aufgeklärt sind. In vielen Fällen kann eine Änderung des Lebensstils den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Gesundheit fördern (z.B. durch Rauchentwöhnung oder Ernährungsumstellung). Von besonderer Bedeutung ist auch, dass Betroffene von Dermatologen UND Ärzten anderer Fachrichtungen betreut werden, z.B. von Rheumatologen, Internisten und/oder Psychotherapeuten.

Medikamente für Schuppenflechte entwickeln sich rasch weiter und eine Vielzahl an Möglichkeiten steht zur Verfügung. Sie helfen, schwere Verläufe aufzuhalten sowie Komplikationen durch Begleiterkrankungen zu vermeiden. Wie sie wirken, erfährst Du in meinem nächsten Beitrag.

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